Artikel

Johannes Prügl simuliert

Johannes Prügl simuliert mit dem Proctorhammer die natürliche Lagerungsdichte.

  • Stadtgrün

Schnelltests für Baumsubstrate auf der Baustelle

Im Rahmen des diesjährigen Corthum Fachseminars beantwortete Johannes Prügl, leitendes Mitglied des Bodeninstituts Prügl, praxisnah und mit Livedemonstrationen Fragen rund um die Anlieferung von Baumsubstraten auf der Baustelle. Über die Qualität von Baumsubstraten referierte Professor Dr. Stephan Roth-Kleyer, zuständig für das Lehr- und Forschungsgebiet Vegetationstechnik an der Hochschule Geisenheim.

Das Substrat wird abgekippt, eingebaut und es stellt sich heraus, es ist zu wenig. Wo liegt der Fehler? Was wurde bestellt und wie bestimmt man auf der Baustelle so wichtige Parameter wie Schüttdichte, Volumengewicht und Wassergehalt eines Substrates? Laut Johannes Prügl, leitendem Mitglied des Bodeninstituts Prügl, Au in der Hallertau (D), gibt es einfache Methoden, um diese Fragen direkt und schnell auf der Baustelle zu beantworten.

Schüttdichte

Um die Schüttdichte von mineralischen Substraten zu bestimmen, wird ein Messgefäss vorsichtig bis zum Rand befüllt und überschüssiges Material wird bündig mit der Gefässoberkante abgestrichen. Den abgewogenen Inhalt (abzüglich Eimergewicht) teilt man durch das Volumen des Gefässes, beispielsweise 10 l, und erhält so die Schüttdichte, die der DIN-EN 1097-3 entspricht.

Für diese Bestimmung bei humosen Kultursubstraten gilt die DIN 12580. Hierfür wird das Material in einen speziellen Messzylinder mit Aufsatz und Sieb locker eingefüllt. Simuliert man nun durch Rütteln und Schütteln den Transport per Lkw, beginnt bereits die

Verdichtung, was in beiden Testgefässen sehr deutlich zu sehen war. «Diesen optischen ‹Materialschwund› muss man bereits bei der Bestellung berücksichtigen, sonst reicht das auf die Baustelle gelieferte Material nicht aus», erklärte Prügl, denn die anzugebende Schüttdichte für diese Materialien ist eben die lockere Schüttdichte in kg / m3 nach DIN-EN 1097-3. Von Vorteil ist es, wenn man als Kunde beim Erdenwerk zudem noch einen Wert zur natürlichen Lagerungsdichte nach der Setzung findet, mit dem es sich zuverlässiger rechnen lässt.

Setzungsgrad

Auch der Setzungsgrad ist nachmessbar. Hierzu wird das Substrat bis zur Oberkante in ein definiertes Prüfgefäss eingefüllt, abgestreift sowie mit sechs Schlägen durch einen Proctorhammer bis zur natürlichen Lagerungsdichte verdichtet. Der geschätzte maschinelle Verdichtungszustand wird durch 15 Schläge des Proctorhammers simuliert.

Wasserdurchlässigkeit

Prügl empfahl den Bauleitern eine «Baustellen-Standardausrüstung», mit der sich die wichtigsten Eigenschaften des angelieferten Materials vor Ort auf einfache Art und Weise testen lassen. Hierzu gehört für ihn auch das Überprüfen der Wasserdurchlässigkeit nach FLL: Ein einfaches PVC-Rohr, unten mit einem engmaschigen Sieb ausgestattet, ist ein ideales Hilfsmittel, in welches das Substrat mit sechs Verdichtungsschlägen, wie oben beschrieben, eingefüllt und 24 Stunden in einen Eimer Wasser gestellt wird. Nach dieser Zeitspanne kann man das Rohr entnehmen und füllt nun auf die Probenoberfläche Wasser, dessen Ablaufgeschwindigkeit pro Zentimeter sich mit Metermass und Stoppuhr messen lässt.

Beurteilung der mineralischen Bestandteile und des Wassergehalts

Um die mineralischen Bestandteile der Substrate besser beurteilen zu können, wäscht Prügl gerne den Humus aus. «Glas glitzert im nassen Zustand schön und auch andere Fremdstoffe sind schnell erkennbar», verriet der Fachmann. Auch die Korngrössenabstufung lässt sich mittels verschiedener Siebe schnell und leicht nachvollziehen.

Oftmals ist das Substrat bei der Anlieferung viel zu nass und sollte deshalb weder eingebaut noch verdichtet werden. Einen schnellen Überblick über den tatsächlichen Wassergehalt verschafft hier die Mikrowelle im Bauwagen, in der das Substrat (mind. 700 g) zwei Mal ca. 10 Minuten bei etwa 400 Watt getrocknet wird. Die Differenz des Gewichts entspricht dem Wassergehalt nach DIN 18121. «Nehmen Sie das Material in die Hand, reiben Sie es zwischen den Fingern und schauen Sie es sich genau an. Dreckige Hände gehören zum Job eines Bauleiters und die wichtigsten Geräte eines Landschaftsgärtners oder Planers sind sein Gehirn und seine Hände, die prüfen, ob der Boden oder das Substrat bearbeitbar ist», gab Prügl den Teilnehmern mit auf den Weg.

Anforderungen an Baumsubstrate

Professor Dr. Stephan Roth-Kleyer, zuständig für das Lehr- und Forschungsgebiet Vegetationstechnik an der Hochschule Geisenheim (D), ist mittlerweile überzeugter Verfechter des einschichtigen Aufbaus, wenn es um die Pflanzung von Bäumen in der Stadt geht. Gute Substrate sind nicht nur in der Lage, für die notwendige Balance zwischen den gegenläufigen Anforderungen von Tiefbau und Landschaftsbau zu sorgen, sondern verhindern auch Kapillarbrüche an der Baumgrubenwand und -sohle. «Spätere Sanierungsversuche sind nicht nur extrem kostenintensiv, sondern scheitern meist», so Roth-Kleyers Erfahrung als Sachverständiger. Die Anforderungen an Baumsubstrate wie Struktur- und Lagerstabilität, Pflanzenverträglichkeit, Korngrössenverteilung und Witterungsbeständigkeit, um nur einige Faktoren zu nennen, sind extrem hoch. Deshalb dürfen für diese Mischungen nur geeignete Ausgangsstoffe zum Einsatz kommen.

Mineralische Substratbestandteile

Kesselsand, Lava, Porlith, Rostasche und Ziegelsplitt sind hierbei empfohlene mineralische Bestandteile, wobei die Rostasche und der Kesselsand einen zu alkalischen pH-Wert aufweisen können. Lava verfügt durch ihre kantige Form über eine hohe Lagestabilität bei hoher Druckfestigkeit. Die unterschiedlichen Farben der Lava sagen übrigens nichts über deren Eigenschaften aus. Porlith, das in Messel bei Darmstadt gewonnen wird, ist offenporige Schieferschlacke und zeichnet sich durch hohe Wasserspeicherfähigkeit und einen günstigen pH-Wert aus. Bei Ziegelsplitt ist darauf zu achten, dass nur Mauerziegel oder Dachziegel ohne Verunreinigungen und Mörtelanhaftungen verwendet werden. Die relevanten vegetationstechnischen Eigenschaften können bei Ziegeln je nach Herkunft, Herstellung und Aufbereitung sehr unterschiedlich sein.

Organische Substratbestandteile

Als organische Komponenten, die nicht nur für die Erhöhung der Kationenaustauschkapazität sorgen, sondern auch die Wasser- und Luftkapazität verbessern, eignen sich Rindenhumus, Substratkomposte, Torf, Braunkohlefaserholz, Holzfasern und Kokosfasern. «Leider ist die Rinde, die als Kompost sehr viel Wasser binden kann, mittlerweile durch ihren hohen Brennwert sehr teuer geworden», bedauerte Roth-Kleyer diese Entwicklung. Torf sei allerdings noch teurer und sein pH-Wert liegt meist im sauren Bereich. Komposte bezeichnet er als «Blackbox» und empfiehlt, hier auf die RAL-Gütesicherung zu achten. Zudem rät Roth-Kleyer dringend zum Einsatz von Baumsubstraten, deren technische sowie umweltrelevante Kennwerte bekannt sind und den Vorgaben entsprechen. Hierbei hat er nicht nur das Wohl des Baumes im Blick, sondern beim Thema Gewährleistung auch das des ausführenden Betriebes.

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Google Captcha ist erforderlich!

  • Stadtgrün
  • Landschaftsarchitektur

Der Remisepark ist ein attraktiver Grünraum, versteckt im Zentrum der Wohnsiedlung Urbanplanen in Kopenhagen. Zwischen den grossen Gebäuden wachsen…

Weiterlesen

  • Pflanzenverwendung
  • Stadtgrün

Die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK e.V.) und der Bund deutscher Baumschulen (BdB e.V.) erarbeiten eine Gehölzliste, die Stadtbäume an die…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Biodiversität
  • Ausstellungen

Ab Mitte April 2025 zeigt eine Ausstellung in der Stadtgärtnerei Zürich, wie wertvolle Lebensräume in der Stadt für Pflanzen und Tiere geschaffen,…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Biodiversität

Die Baumarktkette Bauhaus engagiert sich zu ihrem 65. Firmenjubiläum für mehr Natur und Artenvielfalt. Eine erste Waldinsel wurde kürzlich in Köln…

Weiterlesen

  • Garten- und Landschaftsbau
  • Stadtgrün
  • Landschaftsarchitektur

Bei «Wildnis» an weite Wälder in Kanada zu denken, ist sicher nicht verkehrt. Es geht jedoch auch näher. Die Stiftung Natur & Wirtschaft informiert…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Maschinen und Geräte

Oberkirch setzt auf Elektromobilität: Der vollelektrische Rigitrac SKE40 ersetzt ein Diesel-Fahrzeug und überzeugt mit leisem Betrieb und einfacher…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Umwelt
  • Biodiversität

Im Rahmen ihres 150-jährigen Bestehens engagiert sich die AXA Schweiz für mehr Biodiversität in Winterthur. Gemeinsam mit Stadtgrün Winterthur pflanzt…

Weiterlesen

  • Stadtgrün

Die Stadt Zürich hat das Leitbild von 2001 überarbeitet, mit dem Ziel, die Vielfalt der Flora und Fauna, die für die Stadt von grosser Bedeutung ist,…

Weiterlesen

  • Stadtgrün

Stadtgrün Winterthur hat in einer koordinierten Aktion etwa zwölf Rehe aus dem Friedhof Rosenberg in den angrenzenden Wald zurückgetrieben. Grund…

Weiterlesen

  • Garten- und Landschaftsbau
  • Stadtgrün

Das Netzwerk Bodenseegärten feiert dieses Jahr mit dem Landschaftspark des Hotels Seegut Zeppelin und dem ehemalige Kloster St. Katharinental zwei…

Weiterlesen

  • Garten- und Landschaftsbau
  • Stadtgrün
  • Umwelt
  • Biodiversität

Pro Natura informiert über den Beginn der Wanderzeit für Amphibien. Mit dem Beginn der wärmeren Nächte und der niederschlagsreicheren Saison wagen…

Weiterlesen

  • Weiterbildungsinstitutionen
  • Garten- und Landschaftsbau
  • Stadtgrün
  • Umwelt
  • Biodiversität
  • Aus- und Weiterbildung

Alles auf die Nachhaltigkeit: sanu future learning bietet Weiterbildungen und Kurse im Bereich der Nachhaltigkeit und Biodiversitätsförderung.

Weiterlesen

  • Pflanzenverwendung
  • Stadtgrün
  • Biodiversität

Im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten Forschungsprojekts «Plants and People in Urban Green Space» (PAPPUS) wird…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Biodiversität

Das regionale Biberkonzept Thun West, entwickelt von der Stadt Thun und den Gemeinden Amsoldingen, Thierachern und Stocken-Höfen, soll den Umgang mit…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Auszeichnungen

Die Stadt Schaffhausen hat die höchste Auszeichnung des Labels Grünstadt Schweiz erhalten und wurde für ihre herausragende Pflege und Gestaltung von…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Umwelt

Am Donnerstag, 23. Januar, findet die erste Zürcher Klimatagung zum Thema Schwammstadt statt. Verschiedene Referierende informieren über inspirierende…

Weiterlesen

  • Schwammstadt
  • Baumschutz
  • Stadtgrün
  • Forschung

Eine Studie des Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT University) mit Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) hat den Zugang zur…

Weiterlesen

  • Landschaftsarchitektur / Planung
  • Stadtgrün
  • Landschaftsarchitektur
  • Auszeichnungen

Aus Grau mach Grün: Was aus einem denkmalgeschützten Gebäude werden kann, zeigt sich am Beispiel des früheren Flakbunkers im Herzen Hamburgs. In 58 m…

Weiterlesen

  • Stadtgrün
  • Organisationen

Ab dem 1. März 2025 übernehmen Friederike Meinhardt und Pascal Bossert die Leitung der Abteilung Stadtraum in der Dienststelle Städtebau & Architektur…

Weiterlesen

  • Stadtgrün

Die Husqvarna Group hat den Urban Green Space Report 2024 veröffentlicht. Darin wird ein besorgniserregender Rückgang der städtischen Grünflächen…

Weiterlesen

Aktuelle Ausgabe

06/2025

Giardina 2025: Impressionen und Gewinner der Awards 

Delegiertenversammlung: JardinSuisse wappnet sich für die Zukunft 

Gehölze mit Zukunft: Gummibaum des Nordens 

Grünräume Special: 
Klimaanpassung: Beispielhafte Lösungen 

 

Zur Ausgabe E-Magazine

Newsletter Registration

Frau  Herr 

Agenda

Lehrgang Vegetationstechnik in der Klima- und Schwammstadt
Im Fokus stehen gesamtheitliche Konzepte, für resiliente, hitzemindernde und wassersensible Freiraumgestaltung.
ZHAW Life Sciences und Facility Management, Campus Grüental, 8820 Wädenswil

Im Fokus stehen gesamtheitliche Konzepte, für resiliente, hitzemindernde und wassersensible Freiraumgestaltung. Der Lehrgang zur Fachperson Vegetationstechnik in der Klima- und Schwammstadt (6 ECTS) dauert 12 Monate (inkl. Projektarbeit). Die 24 Präsenztage fallen voraussichtlich auf den Donnerstag. Der Unterricht findet von 9 bis16 Uhr statt (6 Lektionen à 45 Minuten). Kosten: Fr. 5900.–.
Weitere Infos und Anmeldung

09.01.2025  –  09.12.2025
Sportplatztag
Stadion Letzigrund, Badenerstrasse 500, 8048 Zürich

Fachvorträge zu aktuellen Themen wie Anpassung der Sportrasenpflege an den Klimawandel, Bekämpfung des Japankäfers mit Nematoden sowie neue Aufbauten im Sportplatzbau. Das Nachmittagsprogramm dreht sich um konkrete Praxisanwendungen und innovative Entwicklungen rund um die Sportrasenpflege. Die Teilnehmerzahl ist auf 140 beschränkt. Die Kurskosten betragen 129 Franken.
Detailprogramm und Anmeldung

06.05.2025
Deutsche Baumpflegetage
Messe Augsburg

Grösste europäischen Baumpflegefachtagung mit 40 Fachvorträgen sowie praktischen Demonstrationen. Die Zukunft der Veteranenbäume/Uraltbäume ist ebenso ein Thema wie Baumdiagnostik mit 3D-Scanning und KI oder die Haftung für Schäden durch Baumwurzeln. Am zweiten Tag steht die Obstgehölzpflege im Mittelpunkt, inkl. Praxisvorführungen zum Obstbaumschnitt im Aussengelände. Einige Vorträge widmen sich den Baumkrankheiten und Schädlingen: Berichtet wird sowohl über Erfolge bei der Bekämpfung von Schadorganismen wie dem Asiatischen Laubholzbockkäfer als auch über neu entstandene Probleme, darunter der Japankäfer und das Blausieb sowie ein neuartiges Eichensterben. Die Ergebnisse der Veitshöchheimer Studie «Lebensraum Stadtbaum – Artenvielfalt in den Kronen heimischer und nicht-heimischer Baumarten» sind ein weiteres aktuelles Thema, das an der Baumpflegefachtagung aufgegriffen wird.  Kosten: Teilnahme gesamter Kongress, drei Tage: 460 Euro, zwei Tage: 365 Euro, ein Tag 265 Euro. Ermässigter Eintritt für Lernende und Studierende: 50%.  

 Weitere Informationen

06.05.2025  –  08.05.2025

Submissionen

Schulraumerweiterung Herrenhof Uzwil
Angebotsfrist: 05.05.2025
Umgebungsarbeiten Pflegezentrum
Angebotsfrist: 05.05.2025