Bei unglaublichen 90 % aller Angriffe hilft der Anwender, sprich Mitarbeiter, aktiv mit, dem Täter ein Erfolgserlebnis zu verschaffen. Meist ist es ein zu schneller Klick auf einen Link, einen Anhang oder aber auch ein zu schwaches Passwort, was fatale Folgen haben kann. Dies berichtete Fridel Rickenbacher zum Einstieg. Er ist Mitglied der execure ag / Swiss-IT-Security-Gruppe und besitzt einen grossen Erfahrungsschatz auf dem Gebiet der Cyber Security. «Wenn das System erst mal lahmgelegt ist, kann dies zu grossen Lieferverzögerungen bis hin zu hohen Konventionalstrafen führen», betonte Rickenbacher und bemerkte, dass das sprichwörtliche Gottvertrauen hier komplett fehl am Platz ist. Er empfiehlt die Null-Vertrauens-Strategie, das ist definitiv sicherer.
Die gesamte Arbeitswelt, aber auch das private Leben, streben auf eine immer massivere digitale Vernetzung zu. Bereits jetzt ist vieles miteinander verbunden, was uns häufig gar nicht bewusst ist. Im Privatbereich ist das beispielsweise die automatische Bewässerungsanlage, die sich per App steuern lässt. Genau hier docken die Unternehmen mit an, die für den Unterhalt oder die Pflege zuständig sind. «Die dunkle Seite der Macht ist viel weiter, als wir denken», so Rickenbacher. Virenprogramme schützen nur gegen bekannte Infekte. Zudem kennen Hacker die Sicherheitslücken immer vor dem Hersteller. «China ist Hersteller von Software und grossen Servern. Die teils eingepflanzten Chips, fähig, die kompletten Unternehmensdaten auszuspionieren, wurden vom chinesischen Staat toleriert», gibt der Spezialist einen kleinen Einblick in die Welt des Bösen und nennt neben China auch noch Russland und die USA, wenn es um Staatsspionage geht. «Die Frage ist auch nicht, ob etwas passiert, sondern wie oft es schon passiert ist», so Rickenbacher. Am Schlimmsten ist dabei neben dem wirtschaftlichen Schaden der Reputationsschaden für das Unternehmen. Es kann Jahre dauern, bis der gute Ruf wiederhergestellt ist. Mitarbeitende, die sich ausserhalb eines geschützten Netzwerkes befinden, sind leichter angreifbar. Eine Software für Schnittstellen mit entsprechender Voreinstellung bietet laut Rickenbacher einen besseren Grundschutz. Er empfiehlt eine mehrschichtige Sicherheitsstrategie. Komplex, zielgerichtet und äusserst effektiv, so lässt sich die heute meist verwendete Angriffsart einer Cyber-Attacke, im Fachjargon auch als APT bezeichnet (Advanced Persistent Threat), beschreiben. Dagegen hilft nur, die grosse Gefahr Mensch durch klare Regeln der Kommunikation im Netz zu sensibilisieren. Als Sicherheitsstrategie schlägt der Experte ein mehrstufiges Konzept vor: «Ein Backup im Betrieb, eines ausserhalb des Firmengeländes und eine Sicherheitskopie in der Cloud sind das Minimum.» Backup, Backup, Backup sowie die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei E-Mails lautet seine Devise. Diese Kombination macht recht immun gegen kriminelle Erpressung im Netz. Grundsätzlich sollte man Cloud-Lösungen vertrauen, denn die dort herrschenden Sicherheitsvorkehrungen kann sich kein Einzelunternehmen leisten und letztlich basiert die gesamte Smartphone-Technologie auf komplexen Cloud-Lösungen, stellte Rickenbacher in den Raum.
Sicherheitstipps für Unternehmen
Im Workshop gab Rickenbacher weitere Tipps, wie es gelingt, die Mitarbeitenden zu sensibilisieren. «Da reicht es manchmal aus, auf dem Parkplatz einen USB-Stick zu verlieren, auf dem das Wort vertraulich klebt. Die Neugierde ist die grösste Versuchung und mit ziemlicher Sicherheit wird es einen Mitarbeiter geben, der diesen ungeprüften Stick in den Rechner steckt. Das ist dann ein guter Einstieg, die Gefährlichkeit solcher Aktionen zu kommunizieren.» Auslandsaufenthalte der Geschäftsleitung regen Kriminelle dazu an, gefälschte Überweisungsaufträge mit hohen Summen im Namen des Chefs an die Buchhaltung zu schicken. Meist mit einem extremen Zeitdruck versehen, sind die Mitarbeitenden überfordert und agieren somit ohne jegliches Hinterfragen, obwohl die Adresse des Absenders nicht exakt mit der des Chefs übereinstimmt. Schulungen sind hier hilfreich und auch der Hinweis, dass alles, was einem nicht ganz koscher vorkommt, vom IT-Service zu überprüfen ist. Wer ausserhalb des gesicherten Netzwerkes unterwegs ist, hat sich zudem an genaue Kommunikationsvorgaben zu halten. Auch erzwungene Kennwortänderungen in kurzen Rhythmen für alle Angestellten machen es Angreifern schwerer. Eine vierte verschlüsselte Datensicherung, die nur dann sichert, wenn der Systemstatus auf grün steht, senkt das Risiko weiter. «Ein Prozent Risiko bleibt aber immer bestehen, egal was man unternimmt», so der Sicherheitsexperte. Bei Vernetzungen mit Kunden rät Rickenbacher ebenfalls zu Aufklärung und proaktiver Kommunikation, die man sich durch eine Unterschrift bestätigen lässt, denn sonst haftet der GaLaBauer sogar mit.
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