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Die Erle (Alnus glutinosa) ist ein Beispiel für eine Baumart, die ihre Ressourcen effizienter konserviert, und daher als sogenannte konservative Art gilt. Bild: Wikimedia / W. Carter

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Sinnvolles Forstmanagement im Klimawandel

Eine neue Studie zeigt, dass sogenannte konservative Arten, die Nährstoffe, Wasser und Energie am effizientesten nutzen, unter realen Bedingungen schneller wachsen als akquisitive, angeblich schnell wachsende Arten. Die Ergebnisse des internationalen Forscherteams, u.a. mit dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) zeigen, welche Bäume das grösste Potenzial zur Minderung der CO₂-Emissionen haben.

Wälder gehören neben den Ozeanen zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern, da sie Kohlenstoff sowohl im Boden als auch in der Biomasse der Bäume speichern. Um herauszufinden, welche Baumarten am meisten Kohlenstoff binden, wurde untersucht, welche Merkmale und funktionellen Eigenschaften das Wachstum von Bäumen und damit ihre Fähigkeit zur CO₂-Sequestrierung fördern, so eine Medienmitteilung des iDiV. Die internationale Studie analysierte das Wachstum von 223 Baumarten, die in 160 Wäldern weltweit gepflanzt wurden, wobei alle wichtigen Waldbiome (Pflanzengemeinschaften wie ein gemässigter Wald) abgedeckt wurden.

Frühere Studien unter kontrollierten Bedingungen, etwa in Gewächshäusern, hatten gezeigt, dass Baumarten, die in der Lage sind, Ressourcen wie Licht, Wasser und Nährstoffe schnell und effizient zu nutzen, typischerweise schnell wachsen, so die Medienmitteilung. Diese „akquisitiven“ Arten, zu denen beispielsweise die Rotbuche (Fagus sylvatica), die Esche (Fraxinus excelsior), die Traubeneiche (Quercus petraea) und die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) gehören, nutzen die vorhandenen Ressourcen besonders gut.

Im Gegensatz dazu wurde angenommen, dass Baumarten, die ihre Ressourcen eher konservieren und weniger externe Ressourcen aufnehmen – sogenannte „konservative“ Arten – langsamer wachsen. Zu diesen gehören zum Beispiel Nadelbäume wie die Lärche (Larix decidua) und die Fichte (Picea abies) sowie Laubbäume wie die Erle (Alnus glutinosa) oder die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum).

Die Forschenden fanden nun, so die Meldung, heraus, dass diese konservativen Arten unter realen Bedingungen, insbesondere in borealen und gemässigten Wäldern mit armen Böden und kaltem Wetter, oft schneller wachsen als die akquisitiven Arten. In solchen Umfeldern haben konservative Baumarten einen Vorteil, da sie besser mit Stress und Ressourcenknappheit umgehen können, so die Mitteilung. In tropischen Regenwäldern, wo das Klima tendenziell besser für das Wachstum von Pflanzen ist, gab es hingegen keine grossen Unterschiede zwischen den beiden Baumarten.

Die Forschenden heben auch den Einfluss lokaler Bedingungen auf das Baumwachstum hervor. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass die Baumarten an ihre spezifischen Umweltbedingungen angepasst sind. In Klimazonen mit günstigen Bedingungen und fruchtbaren Böden könnten akquisitive Arten schneller wachsen und mehr Kohlenstoff speichern. In Gegenden mit ungünstigen klimatischen und bodenbedingten Voraussetzungen hingegen könnten konservative Baumarten die grössere Kohlenstoffspeicherung erreichen. 

Wenn immer nur schnell wachsende Bäume gepflanzt würden, bestehe die Gefahr, dass diese Arten in einem suboptimalen Lebensraum gedeihen, was das Ziel – schnelles Wachstum und hohe Kohlenstoffbindung – nicht erfüllte, wird Dr. Harald Auge, Mitautor der Studie, in der Meldung zitiert.

 

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